Kaffee genießen
Espresso und Kaffee
Viele wissen nicht, dass Kaffe nach dem
Erdöl das zweitwichtigste Handelsgut auf dieser Erde ist.
Eigentlich naheliegend, wenn man bedenkt, wie beliebt Kaffee
bei den meisten Völkern ist. Allein hier in Deutschland trinkt
jeder erwachsene Deutsche im Schnitt vier Tassen pro Tag. Viel
wurde gemunkelt, widerlegt, erwiesen und wieder zurückgenommen
über die gesundheitsschädlichen Aspekte des Kaffeegenusses.
Doch wie auch immer: Das tat und tut dem anhaltendem
Kaffeekonsum keinen Abbruch. Doch so schmackhaft und aromatisch
vielen der Aufguss aus der Kaffeebohne erscheinen mag: Kaffee,
und sein weltweiter Handel, hat auch seine Schattenseiten. Und
derer nicht gerade wenige....
Es verwundert nicht, dass das zweitwichtigste
Wirtschaftsgut dieser Erde hart umkämpft wird. Allerdings
wird dieser Kampf nicht, wie beim Erdöl, auf kämpferischer
Ebene ausgeführt. Es ist ein wirtschaftlicher Krieg
reinsten Wassers. Doch die Opfer sind in jenem Fall
dieselben, wie auch so oft im bewaffneten Krieg: das
einfache Fußvolk. Auch wenn die Logik gebietet, dass alle
Kaffeebauern dieser Welt bei solch großer Nachfrage
eigentlich erträgliche Geschäfte machen müssten, entpuppt
sich diese Vermutung angesichts der grausamen Realität als
Wunschdenken. Tatsächlich werden viele Kaffeebauern ihr
braunes Gold kaum noch zum Selbstkostenpreis los! Durch
spekulative Preisdrückerei und monopolistische Strukturen
im Weltmarkt für Kaffee müssen die Kaffeebauern nach der
Pfeife der Weltkonzerne tanzen.
Und die wollen vor allem eins: Billig Einkaufen! Insbesondere
in den letzten Jahren hat sich die Entwicklung dramatisch zu
Missgunsten der Kaffeebauern entwickelt. Folgende Zahlen
veranschaulichen dies: Im Jahr 1990 tätigten die Kaffee
anbauenden Länder noch Exporte im Wert von 11 Milliarden
Dollar. Die Erlöse durch den Weiterverkauf der vertreibenden
Konzerne an den Endverbraucher lagen in etwa um die 30
Milliarden Dollar. Im Jahr 2004 hingegen erhielten die
Kaffeebauern dieser Welt nur noch 5,5 Milliarden Dollar für
ihre Exporte. Und das bei einem Konsum, der den vertreibenden
Konzernen (Nestlé, Sara Lee und wie sie alle heißen) 70
Milliarden Dollar einbrachte! Während sich also die Einnahmen
von Nestlé und Co. mehr als verdoppelt haben, erhielten die
Kaffeebauern weltweit nur noch die Hälfte für ihren Kaffee! Das
ist keine notwendige Sparpolitik, sondern raffgierige
Gewinnmaximierung seitens der Konzerne!
Allzu deutlich wird dies, wenn man die
Einnahmen von 2004 mit jenen von 1990 vergleicht. Im März 2004
hatte der Preis für Kaffee auf dem Weltmarkt erstmals den
niedrigsten Stand seit 100 Jahren erreicht, und das während die
Konzerne sich weiterhin großer Gewinne erfreuten! Wenn man sich
bewusst macht, dass 70 % der Kaffeebohnen von Kleinbauern und
Familien gewonnen werden, die unter zehn Hektar Land eigens
dafür bewirtschaften, dann wird einem auch schnell klar, welch
vernichtende Wirkung der willkürliche Einsturz des
Kaffeepreises auf Millionen von Existenzen haben muss. Den
Kaffeebauern wurde buchstäblich der Boden unter den Füssen
weggezogen. Und während die Preise für Kaffee einstürzten,
machten die Konzerne horrende Gewinne. Im Jahr 2000, als es im
Wesentlichen zum Einsturz der Kaffeepreise kam, verzeichnete
Tschibo ein Plus von 47 % bei den Nettogewinnen. Das war der
höchste Gewinn, den diese Firma je erzielte!
Wer Kaffe also mit gutem Gewissen genießen will und nicht auf
der Seite der Henker stehen möchte, der muss gezielt auf Fair
Trade Produkte zurückgreifen, die den Erzeugern ein gerechtes
und angemessenes Entgelt garantieren.
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